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Assistenzhund als Hilfsmittel:
Definition Assistenzhund, Training, Prüfungen, Kenndecken, Finanzierung, Rechte, Verhaltensregeln, wichtige Hinweise


Ein Assistenzhund ist ein tolles Hilfsmittel, aber nicht für jeden geeignet. Es gibt einige Punkte zu beachten, wenn man über einen Assistenzhund nachdenkt.
Am besten bespricht man das Thema auch ausführlich mit seinem Arzt und/oder Therapeuten.

Im Folgenden fasse ich einmal alle wichtigen Informationen rund um das Thema Assistenzhund zusammen. Bei weiteren Fragen dürft ihr gerne das Kontaktformular benutzen.

Aber nun zum Thema:

Was ist ein Assistenzhund überhaupt?

Assistenzhunde sind speziell ausgebildete Hunde, die ihrem Halter eine normale Teilhabe am Alltagsleben ermöglichen. Sie sind Hilfsmittel wie beispielsweise eine Brille oder ein Rollstuhl.
Es gibt drei Kategorien:

  • Führhunde, z.B. Blindenführhunde
  • Servicehunde, z.B. Rollstuhlbegleithunde
  • Signalhunde, z.B. für Diabetes, Epilepsie, Autismus, psychische Erkrankungen, etc.

Assistenzhunde sind keine Therapiehunde. Therapiehunde werden beispielsweise in der Ergotherapie eingesetzt oder auch im Hospiz, Kindergarten, Seniorenheim, etc. Sie leben bei ihrem Besitzer als Haustiere und arbeiten in diesen Einrichtungen für viele verschiedene Menschen. Auch die sogenanneten „Emotional Support Animals“, de in letzter Zeit gern von diversen Organisationen angepriesen werden, sind keine Assistenzhunde und haben keine gesonderten Zutrittsrechte (Ausnahme hier sind z.B. in den USA die Begleitung in der Kabine des Flugzeugs).
Der Assistenzhund ist kein Haustier, sondern ein Hilfsmittel und hilft seinem Halter durch speziell auf den Menschen abgestimmte Aufgaben.

 

Wichtige Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man über einen Assistenzhund nachdenkt:

  • Brauche ich einen Assistenzhund? Wenn ja, für was?
  • Unterstützt mich mein Arzt/Therapeut? Schreibt er mir ein Attest, dass ich auf den Hund angewiesen bin?
  • Gibt es Alternativen? Andere Hilfsmittel?
  • Bin ich stabil genug, um mich um ein Tier zu kümmern?
  • Was passiert, wenn der Hund krank ist? Schaffe ich es, mich zu kümmern? Schaffe ich es Erbrochenes, Durchfall, etc. aufzuputzen? Habe ich hier eventuell Unterstützung?
  • Habe ich einen Notfallplan, falls ich mich einmal nicht kümmern kann? Krank werde?
  • Habe ich genug Kraft, Zeit, etc. um mit dem Hund zu trainieren?
  • Kann ich meinem Hund genug Ausgleich und Freizeit bieten zu seinem anstrengenden Job?
  • Kann ich mir das Tier finanziell leisten? (Futter, Tierarzt, Hundesteuer, Training, etc.)
  • Welche Aufgaben soll der Hund übernehmen?
  • Bin ich stark genug, um Diskussionen um Barrierefreiheit und Zutrittsrechte zu führen?

 

Ausbildung & Trainerwahl

Viele Assistenznehmer bilden ihre Hunde selbst aus, oftmals mit Unterstützung eines Hundetrainers. Bei der Auswahl des Trainers sollte darauf geachtet werden, dass positiv und gewaltfrei gearbeitet wird. Der Trainer sollte sich auf das Abenteuer „Assistenzhunde-Team“ einlassen wollen und bereit sein, sich mit der Thematik und den individuellen Bedürfnissen von Hund und Halter zu befassen.
Auch der Besuch einer guten Hundeschule ist empfehlenswert.

Einer guter, erfahrener Hundetrainer kann auch bei der Auswahl des Hundes helfen.

Einen „Assistenzhundetrainer“ gibt es nicht, denn nicht einmal der Begriff „Assistenzhund“ ist derzeit gesetzlich definiert.

Ich persönlich bilde Yoshi selbst aus und habe dazu Hilfe in Form von Einzelstunden bei einer Trainerin. Zusätzlich besuche ich noch Gruppenangebote einer anderen Trainerin, z.B. Sozialisierungsspaziergänge, Zirkeltraining, etc.

Wichtig für einen Assistenzhund ist, dass er sich zu benehmen weiss. Grundgehorsam ist das A und O. Da wir unsere Hunde in Bereiche mitnehmen, in denen Familienhunde keinen Zutritt haben, ist es sehr wichtig, dass der Hund z.B. nicht an Regalen schnüffelt, keine Menschen anspringt oder anbellt, sich nicht von Hunden, Katzen, Menschen, etc. ablenken lässt und auch sein Geschäft nicht einfach irgendwo verrichtet.

Zu den Grundlagen kommen dann natürlich die Assistenzaufgaben, welche individuell auf den Halter abgestimmt sind. Das Erlernen dieser wird aufgebaut, wie auch andere Dinge. Für den Hund ist es optimalerweise alles Spiel und Spass, egal ob es nun eine Assistenzaufgabe wie Medikamente bringen oder ein Trick wie Pfötchen geben ist.
Erwünschte Verhaltensweisen, die der Hund von sich aus zeigt, sollten immer positiv verstärkt werden. Meldet der Hund also beispielsweise von selbst eine kommende Panikattacke, dann sollte dies unbedingt belohnt werden.

 

Ausweise, Prüfungen & Co.

Da es in Deutschland noch keine gesetzliche Regelung zu Assistenzhunden gibt, sind auf dem Markt viele schwarze Schafe unterwegs. Abzuraten ist definitiv von den bekannten Organisationen, die meistens bei einer Google-Suche zuerst erscheinen.
Bietet jemand Dinge wie Fremdausbildung, Emotional Support Animal oder Prüfungen, Ausweise und dergleichen, ist Vorsicht geboten. Es gibt in Deutschland keine rechtlich relevante, unabhängige Prüfung, die Zertifikate und Ausweise sind leider das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.
Diese Organisationen sind leider sehr gut darin, ihre Dinge zu verkaufen, sie können gut überzeugen und als ahnungsloser Betroffener auf der Suche nach Hilfe, fällt man leider schnell darauf rein.

Wedelt man mit diesen Ausweisen und Zertifikaten oder Trainerschreiben schadet dies leider der ganzen Szene (und auch Selbstausbildern). Es erweckt bei den Menschen den Eindruck, dass es rechtens ist, einen solchen Ausweis, Nachweis oder ein Zertifikat zu fordern. Dies ist es aber nunmal nicht und macht somit anderen Teams, die nicht auf eine dieser Organisationen hereingefallen sind und ihre Hunde beispielsweise sorgfältig selbst ausgebildet haben, das Leben umso schwerer.

Den einzigen „Nachweis“ den man in Deutschland derzeit vorlegen kann, ist ein Attest des Arztes/Therapeuten, indem steht, dass man auf die Begleitung durch den Assistenzhund angewiesen ist. Diagnosen müssen hier nicht aufgelistet sein, können aber genannt werden, wenn man es möchte. Dies ist eine individuelle Entscheidung.

Österreich hat eine staatliche Assistenzhundeprüfung. Diese wird am Messerli-Institut durchgeführt, ist unabhängig von Organisationen und Trainern und natürlich auch für Selbstausbilder zugänglich. Sie wird von unabhängigen Prüfern abgenommen und ist staatlich anerkannt. Bei Bestehen gibt es die offizielle Kenndecke für Assistenzhunde.
Diese Prüfung kann man natürlich auch als deutsches Team machen, wenn man gerne eine Prüfung haben möchte. Sie ist definitiv aussagekräftiger als alles, was es auf dem deutschen Markt derzeit gibt. Wahrscheinlich ist sie auch das, was am ehesten anerkannt werden wird (vielleicht mit kleinerer Nachprüfung nach deutscher Regelung, etc.), sobald ein deutsches Gesetz in Kraft tritt. Dies ist allerdings reine Spekulation.

 

Kenndecken

Auch bei Kenndecken gibt es leider keine Regelung. Man kann seinen Hund mit Kenndecke, Halstuch, o.ä. ausstatten, muss es aber nicht. Beim Kauf von Kenndecken darf kein Nachweis gefordert werden (denn es gibt ja keinen), es ist also von Anbietern abzuraten, die Trainernamen, Nachweise, o.ä. fordern.
Ja, das bedeutet, dass theoretisch jeder seinem Hund eine Kenndecke anziehen und ihn als Assistenzhund ausgeben kann. Das ist das große Problem bei einer fehlenden gesetzlichen Regelung mit unabhängiger, staatlicher Prüfung. So lange es diese in Deutschland nicht gibt, wird das leider immer ein Problem bleiben.

Es ist hier an die Vernunft des Halters zu appellieren, seinem Hund nur eine Kenndecke anzuziehen und ihn mit in die Öffentlichkeit zu nehmen, wenn das Benehmen einwandfrei ist und er wirklich auf den Hund angewiesen ist.

Ein empfehlenswerter Kenndecken-Anbieter ist beispielsweise die Kreativ WG.

 

Finanzierung

Das Hilfsmittel Assistenzhund wird nicht von der Krankenkasse bezahlt. Einzige Ausnahme ist hier der Blindenführhund.
Es gibt die Möglichkeit bei Stiftungen anzufragen, ob sie die Ausbildung finanziell unterstützen. Hier bleibt einem nichts anderes übrig als Stiftungen zu kontaktieren, sein Anliegen zu schildern und auf Antwort zu warten.
Stifungen suchen kann man zum Bespiel auf Stiftungssuche.de. Es lohnt sich auch nach regionalen Stiftungen zu schauen.
Auch gibt es den Fonds für s*x**ll*en M*ssbr**ch des Bundes (gespoilert, weil Trigger-Gefahr), der in bestimmten Fällen unterstützt.

 

Rechte

Sozialleistungen müssen barrierefrei erbracht werden (§17 SGB I), d.h. Assistenzhunde dürfen beispielsweise mit in Arztpraxen, Krankenhäuser, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und öffentliche Gebäude genommen werden.

Assistenzhunde sind von der Leinen- und Maulkorbpflicht befreit.

Assistenzhunde dürfen kostenfrei mit Taxis und öffentlichen Verkehrsmitteln fahren bzw. mit dem Flugzeug fliegen. Während eines Fluges ist der Hund bei seinem Menschen in der Kabine.

Eine gleichberechtigte Teilhabe zählt zu den Menschenrechten und steht über dem Hausrecht. Einem Assistenzhund den Zutritt zu verweigern ist Diskriminierung.
In Deutschland greifen starke Gesetze gegen Diskriminierung, u.a. das Grundgesetz, das SGB, das AGG sowie die UN Gleichberechtigungskonvention.

Auch hier nochmal der Hinweis: Bitte keinen Hund mitnehmen, der noch nicht weiss, wie er sich in diesen Situationen verhalten soll. Als Assistenzhunde Team ist man automatisch auch ein Aushängeschild. Wenn also jemand mit einem Hund, der sich nicht benehmen kann, andere anspringt, den Ablauf stört, etc., zum Arzt kommt, dann hinterlässt er einen schlechten Eindruck und zukünftige Teams werden es noch schwerer haben, Zutritt zu erhalten.

 

Verhalten gegenüber Assistenzhunde-Teams:

  • Bitte nicht ablenken: Streicheln, Füttern, Locken und Ansprechen lenkt den Hund ab und kann zu gefährlichen Situationen führen.
  • Leinen Sie Ihren Hund an und lassen Sie ihn nicht zum Assistenzhund.
  • Bitte halten Sie Abstand.
  • Halten Sie Gehwege und Fahrbahnüberquerungen frei von Hindernissen.
  • Richten Sie Fragen bitte an den Halter und ignorieren Sie den Hund.
  • Bitte weisen Sie auch Ihre Kinder auf diese Verhaltensregeln hin.

 

WICHTIG: Lebewesen, keine Maschine!

Ein Assistenzhund ist nicht perfekt. Er ist ein Lebewesen wie jedes andere auch und keine Maschine. Das bedeutet, dass auch ein Assistenzhund hin und wieder einen schlechten Tag hat, unaufmerksam ist, sich nicht wohl fühlt, krank ist, Fehler macht oder einfach einmal Pause braucht. Es passiert schnell, dass man durch zu viel Perfektionismus anfängt, seinen Hund (und auch sich selbst) zu überfordern. Keiner ist unfehlbar und alle brauchen einmal eine Auszeit.
Es ist wichtig, auf die Bedürfnisse des Tieres zu achten. Diese sollten über den eigenen Bedürfnissen stehen. Ist der Hund einer Aufgabe nicht gewachsen (dauerhaft oder auch nur zeitweise), darf man es nicht erzwingen, sondern sich eine alternative Lösung (z.B. Begleitperson) suchen, falls beispielsweise ein Termin unbedingt wahrgenommen werden muss.
Leider werden auf vielen Seiten in den sozialen Medien nur die Dinge dargestellt, die super klappen, was beim Betrachter oft den Eindruck erweckt, dass andere Teams perfekt sind und es keine Dinge gibt, die nicht so gut klappen.
Lasst euch gesagt sein: Jeder hat Dinge, die mal nicht so gut laufen. Nobody is perfect. Auch ein Assistenzhunde-Team nicht. Deshalb arbeitet man ja kontinuierlich an sich und der Beziehung zu seinem Hund.

 

 


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