Content Note:

Assistenzhund bei psychischen Erkrankungen / Die erste Zeit mit Hund, Eingewöhnung, Gedanken, Zweifel, erste Lernerfolge, Vermieter – fristlose Kündigung


Ich glaube, mein Hund hasst mich. 

Das sagt zumindest mein innerer Kritiker. Mein Hund hasst mich,…

…weil ich ihm das Sicherheitsgeschirr anziehe
…weil es mir manchmal schwer fällt, aufzustehen und mit ihm rauszugehen
…weil ich ihm nicht erlaube, Pferdeäpfel und andere Kacke bzw. weggeworfenes Essen zu fressen
…weil ich ihm nicht erlaube, meine Socken/Schuhe/Mützen zu klauen
…weil ich ICH bin

Ich könnte hier noch ganz viele andere Beispiele oder „Gründe“ aufzählen, weshalb mein Hund mich hasst. Mein innerer Kritiker ist da tatsächlich sehr kreativ und findet fast täglich neue Dinge.

Diese Gedanken machen es mir natürlich nicht leicht. Immer wieder zweifle ich, ob ich gut genug bin für Yoshi. Ob ich alles richtig mache mit seinem Training. Ob er genug frisst und trinkt. Ob er genug Beschäftigung für Kopf und Körper hat. Ob ich ihm zu viel zumute oder ihn langweile.

Aber, genug der blöden Gedanken. Wenn mein Kritiker kurzzeitig die Klappe hält, freue ich mich über unsere Fortschritte.

Ich glaube, Yoshi ist mittlerweile angekommen und weiss nun, dass ich sein Mensch bin und dies hier sein Zuhause. Auch ich habe mich an seine Gesellschaft gewöhnt und wache nicht mehr nachts auf, wenn er zum Wassernapf tapst. Um ehrlich zu sein genieße ich seine Gesellschaft sogar sehr und freue mir einen Wolf, wenn er sich entschließt, zu mir ins Bett zu hopsen – passiert zwar noch nicht so oft, aber ein paar Mal hatte ich schon das Vergnügen, neben einem schönen, warmen, flauschigen Wuschelhund aufzuwachen und mich durch seinen ruhigen Atem zurück in den Schlaf zu meditieren. Albträume sind auch etwas leichter zu ertragen: wenn ich panisch aufwache, er aber total entspannt schläft, weiss ich, dass sicherlich niemand in meine Wohnung eingedrungen ist und komme schneller wieder runter.
Auch wenn er träumt und im Schlaf vor sich hinwufft, entsteht automatisch ein Lächeln bei mir. Er tut meiner Seele wirklich gut.

Wir hatten nun auch schon einige Trainingsstunden und auch da machen wir Fortschritte, glaube ich. Die Kommandos werden immer besser und auch an Spaziergänge an der kurzen Leine hat er sich gut gewöhnt. Yvonne ist sehr geduldig mit uns und strahlt einiges an Ruhe aus, was wir beide brauchen.

Zur Therapie durfte Yoshi mich ebenfalls schon begleiten. Die Bahnfahrt und auch den Darmstädter Hauptbahnhof fand er noch stressig, aber während meiner Sitzung lag er ruhig auf dem Boden und hat sich vorbildlich verhalten.
Zum medizinischen Dienst bzw. psychiatrischen Gutachter der Rentenversicherung durfte er mich auch begleiten. Die Sprechstundenhilfe wollte unseren Assistenzhunde-Ausweis sehen und schon konnte er problemlos mit in die Praxis. Auch hier war er eine große Stütze für mich und hat mir einiges an Aufregung genommen, so dass ich dem Psychiater besser zuhören und mich ein wenig besser auf das Geschehen konzentrieren konnte.

Leider bekam ich allerdings vorgestern Post von meinem Vermieter. Dieser droht mir nun aufgrund des Assistenzhundes mit einer fristlosen Kündigung. Er bezeichnete Yoshi in seinem Schreiben jedoch als „Therapiehund“. Nachdem meine Anspannung ganz Borderline-typisch erst einmal ins Universum geschossen war, habe ich es nach Anwendung einiger Skills geschafft, ein Antwortschreiben zu verfassen. In diesem habe ich ihm nochmals den Unterschied zwischen einem Therapiehund und einem Assistenzhund geschildert und erklärt, dass Yoshi ein Assistenzhund ist, ich ein ärztliches Attest für ihn besitze und er Barrierefreiheit hat. Zudem habe ich ihm nochmals einige Beispiele von Aufgaben aufgezählt, die Assistenzhunde übernehmen können und weshalb diese wichtig für den jeweiligen Menschen sind.
Nachdem ich dieses Schreiben abgeschickt hatte, habe ich allerdings vorsichtshalber meine Rechtsschutzversicherung über die Sachlage informiert, damit wir im Notfall handeln können. Auch habe ich Briefe an meine Nachbarn verfasst und ihnen Yoshi’s Arbeit als Assistenzhund erklärt und näher gebracht.
Nun heisst es abwarten, was passiert. Ich werde für mein Recht kämpfen, aber natürlich belastet mich solch eine Situation zusätzlich und fördert nicht gerade die Gesundheit.

Was gibt es sonst noch Neues in Sachen Assistenzhund?

Ich warte immer noch auf die Antwort der Krankenkasse zum Thema „Kostenerstattung“.

Ich habe ein offizielles Spendenkonto „beantragt“ und bei einigen Stiftungen angefragt, ob sie etwas zu Yoshi’s Ausbildung geben würden. Das ist alles mit Papierkram verbunden, aber so langsam werde ich Profi. Es ähnelt sich alles – Einkommen, Ausgaben, wofür benötigt man finanzielle Unterstützung?, etc. Wird schon irgendwie werden.

Ich habe seit Yoshi’s Einzug wahrscheinlich mit mehr Menschen kommuniziert als in meinem ganzen bisherigen Leben. Man kommt über einen Hund wirklich schnell ins Gespräch. Expo pur!

 


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Falls ihr oder jemand, den ihr kennt, an einer Berichterstattung über meinen Weg zum Assistenzhund interessiert seid, würde ich mich über eine E-Mail an folgende Adresse freuen:
Assistenzhund.fuer.sam@gmail.com


Wer wissen möchte, wie ein Assistenzhund einem Menschen mit psychischen Erkrankungen helfen kann, findet eine kurze Zusammenfassung und weiterführende Links in meinem Blogpost Assistenzhund bei psychischen Erkrankungen


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