Content Note:

Assistenzhund bei psychischen Erkrankungen / Selbstauskunft, Antrag auf Kostenerstattung/Empfehlungsschreiben, Kennenlernen des potentiellen Assistenzhundes Taron, Gentest, Vorbereitungen


 

22.01.2018 – 24.01.2018
Nachdem mir die Assistenzhundetrainerin (Frau K.) die Informationen zu dem potentiellen Assistenzhund zukommen lassen hat, habe ich Kontakt mit der Pflegestelle, in der er gerade wohnt, aufgenommen. Frau R. schickte mir sogleich eine Selbstauskunft, die ich ausfüllen sollte. Gefragt waren Dinge wie meine derzeitige Wohnsituation, bisherige Hundeerfahrung, ob und wenn ja, wie lange der Hund täglich allein wäre, etc.

Ich war so aufgeregt und habe sie sofort Montagnachmittag noch ausgefüllt und zurück geschickt. Dann kommt einen ganzen Tag nichts mehr. Ohgottohgottohgott, die Gedanken in meinem Kopf schlagen Purzelbäume: Die findet dich bestimmt völlig unpassend. Du bist eh zu scheisse für diesen schicken Hund.
Das übliche negative Kritiker-BlaBla eben [augenroll].

Mittwoch morgen kam dann eine E-Mail, in der stand, dass ich den Rüden schon Sonntag kennenlernen darf. Ach herrje, was war ich aufgeregt!
Somit dackelte ich völlig angespannt los in Richtung Therapie. Auf einer Skala von 0 – 100 war meine Anspannung bei ca. 800 und kurzzeitig dachte ich, ich manövriere mich selbst in eine Panikattacke. Ich skillte (Igelball, Atemübungen, Achtsamkeit) und stieg dann einige Haltestellen eher aus, um die restliche Strecke zu laufen. Das half. Bei der Praxis angekommen, war ich ruhiger. Puh. Ganz schön erschöpfend, eine solche Anspannung (auch, wenn es ja keine richtig negative Anspannung war). Eigentlich war mir nun mehr nach Bett als nach Therapie. Augen zu und durch.

Die Sitzung war anstrengend – kurz dachte ich tatsächlich, meine Therapeutin stellt mir doch kein Empfehlungsschreiben für den Assistenzhund aus. Mein inneres Kind war am Heulen, der Emotionslose hat aber die Kontrolle behalten, gut gekämpft und Argumente gebracht. Man, was war ich fertig nach der Sitzung. Wollte einfach nur heim und meine Ruhe.
Zu Hause habe ich dann auch erst einmal eine Tafel Schokolade verschlungen. Fuck. Wollte ich nicht, aber ging irgendwie nicht anders.

Am späten Nachmittag kam dann eine E-Mail meiner Therapeutin mit der Bitte um eine Schweigepflichtsentbindung, damit sie die Hundetrainerin Frau K. kontaktieren und nachfragen kann, was in so ein Empfehlungsschreiben hinein gehört. Uff, sie macht es wirklich. Uff. Uff. Uff.
Schnell spicke ich im Internet, wie man so etwas schreibt, bereite es vor, unterschreibe es, scanne es ein und schicke es Frau S. zurück. Nun war ich wirklich fertig und habe flott noch gelüftet, eine Ibuprofen gegen meine Rücken- und Kopfschmerzen genommen und es mir dann auf dem Sofa gemütlich gemacht und gelesen.

 

28.01.2018
Sonntag morgen geht’s in die Nähe von Bonn. Meine Mutter begleitet mich, also sind wir mit dem Auto unterwegs. Ich quassle sie voll, bin aufgeregt, aber freue mich auch auf den Hund. Mein Kritiker sagt Dinge wie „Du bist 100%ig überfordert mit ihm. Packst du nie und nimmer…“. Der Erwachsene bleibt vernünftig und hält dagegen: „Abwarten, ausprobieren, schaffen wir schon!“
Es herrscht nicht viel Verkehr und wir kommen pünktlich am vereinbarten Treffpunkt an. Kurz nach uns trifft die Assistenzhundetrainerin Frau K. ein und nach ihr U. (also Frau R. – aber wir sind mittlerweile beim DU)  von Pflegefelle mit Herz mit Hund Taron. Ach, was ein schöner Kerl. Begleitet werden wir außerdem von Welpe Biene – sie ist Zucker ❤

Wir gehen eine Runde, unterhalten uns – ich bekomme von Taron erzählt, wir besprechen verschiedene Dinge. Ich führe Taron fast die ganze Strecke. Meine erste Erfahrung mit Schleppleine. Anfangs habe ich das Gefühl, ich verheddere mich ständig in der Schleppleine und falle sicher gleich auf die Schnauze. Am Ende klappt es dann aber ganz gut. Er muss noch viel lernen, genau wie ich, aber wir verstehen uns gut und ich mag ihn. Am Ende des Spaziergangs sagt U., ich solle einmal drüber schlafen und dann bescheid geben. Ich weiss da schon, dass ich Taron gerne nehmen würde.

Frau K. erklärt uns noch einmal genau, welchen Test Taron noch über sich ergehen lassen muss: MDR-1 Gentest.
Es handelt sich hierbei um einen Gendefekt, den manche Hunde bestimmter Rassen haben. Bei diesem ist ein bestimmtes Protein, welches wichtig für die Blut-Hirnschranke ist, mangelhaft oder sogar gar nicht vorhanden. Dies führt zu einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneimitteln, u.a. bestimmte Narkosemittel und Ivermectin – einem beliebten und häufig verwendeten Entwurmungsmittel in Pferdewurmkuren. Wenn er also diesen Gendefekt hat, könnte er nicht mit mir zu den Pferden ohne in Todesgefahr zu schweben.

 

 

29.01.2018
Am nächsten Tag schicke ich Frau K. und U. eine E-Mail und teile ihnen mit, dass ich Taron nehmen möchte. U. veranlasst also noch in der selben Woche den Gentest. Nun heisst es abwarten und Daumen drücken, dass Taron zu mir darf.

 

30.01.2018 – 02.02.2018

In der Zwischenzeit überlegen Mom und ich schonmal, ob Taron weiterhin „Taron“ heissen soll oder ob wir ihn umtaufen. Blue. Sky. Bruno. Joshi. Ja. Joshi klingt nett. Vielleicht wird er ein Joshi. Mal sehen.

Während der „Warte-Woche“ schicke ich das Informationsschreiben an meinen Vermieter. Seine Begeisterung wird sich in Grenzen halten, aber gegen einen Assistenzhund kann er nichts sagen – ich habe extra nochmal nachgelesen. Mein Schreiben ist höflich und informativ. Mom und J. lasse ich Kontrolle-lesen. Ich bin schon ein wenig nervös, denn normalerweise stehe ich nicht für meine Rechte ein, gebe eher nach und stecke zurück. Hauptsache keinen Konflikt. Jetzt wird es anders. Ich werde für meinen Assistenzhund kämpfen. Ich möchte, dass es mir im Alltag besser geht. Und wahrscheinlich ist es auch wichtig, dass ich anfange, für mich und mein Wohlbefinden zu kämpfen – auch wenn der Kritiker sagt, ich hätte das gar nicht verdient.

Eine E-Mail von U. am Mittwoch heitert mich – nach einem anstrengenden und bedrückenden Termin in der sexualmedizinischen Ambulanz – auf. Sie bietet mir an, am Sonntag noch einmal vorbei zu kommen, um Taron zu sehen und Spazieren zu gehen. Leider kann meine Mutter diesmal nicht, also besorge ich mir ein Bahnticket und sage zu. Ich freue mich auf Taron und hoffe wirklich, dass er keinen Gendefekt hat.

Mittwochnachmittag halte ich es nicht mehr aus und e-maile meiner Therapeutin, um nachzufragen, ob das mit dem Empfehlungsschreiben geklappt hat. Sie antwortet mir, dass sie es fertig hat, gern in der nächsten Sitzung besprechen möchte und es mir dann mitgibt. Puh.

Ich nutze die Woche ausserdem, um mich und meine Wohnung auf den Hund vorzubereiten – besorge Unterlagen für Futter- und Wassernapf, Hundekekse, drucke das Anmeldeformular für die Hundesteuer aus und informiere mich über Versicherungen und Hundeerziehung.

Es geht also voran… und bleibt weiterhin spannend 🙂

 


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Falls ihr oder jemand, den ihr kennt, an einer Berichterstattung über meinen Weg zum Assistenzhund interessiert seid, würde ich mich über eine E-Mail an folgende Adresse freuen:
Assistenzhund.fuer.sam@gmail.com


Wer wissen möchte, wie ein Assistenzhund einem Menschen mit psychischen Erkrankungen helfen kann, findet eine kurze Zusammenfassung und weiterführende Links in meinem Blogpost Assistenzhund bei psychischen Erkrankungen


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