Folgende Symptome sind typisch für Menschen mit einer Borderline Störung:

  • Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen
  • Impulsivität bei potentiell selbstzerstörerischen Verhaltensweisen
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Häufige und unangemessene Zornausbrüche
  • Selbstverletzungen und Suiziddrohungen/ -versuche
  • Fehlen eines klaren Ichidentitätsgefühls
  • Chronische Gefühle von Leere und Langeweile
  • Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu vermeiden
  • Stressabhängige paranoide Phantasien oder schwere dissoziative Symptome
Quelle: lichtweg.de

Auch bei mir treffen diese Symptome mehr oder weniger stark zu. Heute möchte ich vor allem einmal auf die Angst vor dem Verlassenwerden eingehen, denn diese ist bei mir, auch wenn ich es ungern zugebe, durchaus ausgeprägt. Bei meiner Diagnose war dies zwar weniger ausschlaggebend, aber auch nur, weil ich zwischenmenschliche Beziehungen meide. Dies tue ich unter anderem wegen der sozialen Phobie, aber auch, weil ich einfach Probleme habe, mich auf Menschen einzulassen. Ich habe Angst, jemanden lieb zu haben und ihm/ihr zu vertrauen.

In meinem Kopf schwirren alle möglichen destruktiven Gedanken herum, wie zum Beispiel:

„Mich kann man gar nicht mögen!“, „Ich bin fett, hässlich und langweilig!“, „Wer möchte schon mit einer Trans/Non-Binary Person befreundet sein!“, „Ich bin es gar nicht wert, geliebt zu werden!“

Diese und viele andere Dinge werden mir von meinem Hirn ständig entgegen gebrüllt.

Das Ergebnis ist folgendes:

Ich habe keine Freunde/Beziehungen. Ich vermeide es tunlichst, mit irgendeiner Person in näheren Kontakt zu kommen. Selbst wenn ich es, trotz meiner sozialen Angst, einmal schaffe, mit jemandem in Kontakt zu treten (z.B. online), mache ich sofort einen Rückzug, sobald ich merke, wir verstehen uns gut. Entweder melde ich mich plötzlich nicht mehr und gehe einfach selbst oder ich fange sinnlose Streits an, schiebe die Person ganz weit von mir weg  und zwar solange, bis mein Gegenüber die Nase voll hat.

Fallbeispiel:

Ich lerne S. online kennen über ein Zweitprofil, welches ich eigentlich nur zum Spielen nutze. Wir beginnen zu schreiben und verstehen uns überraschend gut. Jedoch anstatt ich selbst zu sein und S. die Chance zu geben, mich zu mögen für MICH, erzähle ich S. einfach irgendwelche erfundenen Sachen, die meiner Meinung nach wesentlich interessanter und liebenswerter sind, als ich selbst und mein Leben. Irgendwann ist es zu spät, um den Absprung zu schaffen und die Wahrheit zu sagen und die Situation spitzt sich zu. Ich streite wegen sinnlosen Dingen mit S., versuche sie loszuwerden, wegzugehen, sie zu verlassen, damit ich nicht der Verlassene bin. Für S. ist das natürlich mega scheiße, sie versteht die Welt nicht mehr und das tut mir auch mega leid, weil ich sie echt lieb gewonnen habe, aber irgendwie drehe ich mich im Kreis und komme aus meinem eigenen Gedanken-Knast nicht heraus. Ich hasse mich selbst dafür, bekomme Selbstverletzungs- und Suizidgedanken sowie extreme Fressattacken. Irgendwann sage ich S. die Wahrheit, weil ich es nicht mehr aushalte, einer Person, die ich echt mag und mit der ich sehr viel gemeinsam habe, weiter irgendwelchen Müll zu erzählen. Natürlich ist S. verletzt und enttäuscht und unsere beginnende Freundschaft zerbricht.

Durch solche Aktionen bekommt mein Hirn dann die Bestätigung, dass es recht hatte. Ich bin nichts wert. Ich werde verlassen. Keiner will mich. Ich bekomme nichts auf die Reihe. Ich schaffe es nicht mal, einer Person, die ich sehr mag, die Wahrheit zu sagen, aus Angst, dass sie mich nicht mögen könnte.

Es ist ein ewiger Teufelskreislauf. Bisher habe ich es nur mit J. geschafft, befreundet zu bleiben.

Aber selbst bei J., meiner besten Freundin, habe ich Angst, dass sie geht und keine Lust mehr auf mich hat. Ich habe verdammt nochmal sogar Angst, dass meine Mom, Oma und Opa mich verlassen oder dass meine Pferde mich nicht mögen könnten. Ich habe so viel Angst, mich auf jemanden einzulassen, dass ich seit Jahren lieber alleine bin und in fast völliger Isolation lebe.

Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr gern allein. Ich brauche Zeit für mich, Ruhe, um mein Hirn zu ordnen und mich vom Trubel und Lärm in meinem Kopf und auch in der Welt draußen zu erholen. Jedoch sind Freunde oder gar Beziehungen natürlich etwas schönes. Seelenverwandtschaft. Für einander da sein, in guten und schlechten Zeiten. Einander unterstützen. Sowas und viel mehr macht eine Freundschaft/Beziehung aus.

Um das jedoch zu bekommen, muss man vertrauen. Sich auf den anderen Menschen einlassen. Ihm/Ihr die Chance geben, einen zu lieben, so wie man ist.

Und das ist gar nicht so einfach…