Vor kurzem bekam ich eine Nachricht von meiner Mutter mit einem Artikel aus der Tageszeitung über eine Schreibwerkstatt, die in der Nähe stattfinden sollte. Nach anfänglichem Zögern und einiger Überredungskünste sowohl von meiner Mutter als auch meiner Tanztherapeutin Frau E., meldete ich mich an und bereute es direkt wieder.Was, wenn ich den Veranstaltungsort nicht finde?

Was, wenn ich nicht in die Gruppe passe?

Was, wenn ich überfordert bin und mir alles zu viel wird?

Was, wenn mir nichts einfällt, über das ich schreiben könnte?

Im Hinterkopf auch immer die üblichen Gedanken, wie z.B. „Die Anderen sind sowieso alle viel besser im Schreiben als ich!“ und „Ich kann sowas doch gar nicht!“

Je näher der Kursbeginn rückte, desto aufgeregter wurde ich.

Trotz Überlegungen einfach auf der Couch zu bleiben, stieg ich am ersten Kurstermin jedoch ins Auto und fuhr in die Stadt. Ich beschloss, ein Stück entfernt zu parken und zum Veranstaltungsort zu laufen. Frische Luft hilft mir immer gegen die Aufregung.

Bei Ankunft traf ich auf freundliche Gesichter. Die Anspannung sank. Nach kurzer Wartezeit ging es endlich los. Als die obligatorische Organisation abgeschlossen war, gab es gleich zum Kennenlernen eine Übung: Positives Spekulieren. Wir sollten uns in Dreier-Gruppen zusammentun, in eine Ecke zurückziehen und dort jeweils zu Zweit über den Dritten positiv spekulieren. Was macht er/sie so? Haustiere? Gerne draussen? Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, hauptsache es war positiv. Diese Übung kannte ich noch nicht und es fiel mir echt schwer, dazusitzen und zuzuhören, was die anderen so über mich dachten. Im Mittelpunkt stehen fiel mir noch nie leicht. Trotzdem hatten wir viel Spass in unserer Gruppe und es gab einiges zu lachen.

Nach 20 Minuten fanden sich alle wieder im Gruppenraum ein und die eigentliche Vorstellungsrunde begann. Es war sehr interessant zu hören, wie es den anderen Teilnehmern mit der Übung ergangen war und wie viel von dem Spekulierten stimmte. Als die Gruppenmitglieder von sich erzählen, merke ich wieder einmal, dass ich mit meinen Sorgen nicht alleine da stehe.

Nun ging es endlich ans Schreiben. K., eine der Kursleiterinnen, legte Fotos auf einen Tisch, die der Inspiration dienen sollten, falls man noch keine Ideen hatte. Jeder durfte sich zurückziehen, in andere Räume des Hauses oder auch nach draussen und einfach schreiben.

Mir fällt das Schreiben auf Knopfdruck immer schwer, also begann ich mit diesem Blogbeitrag, schrieb ein bisschen und versuchte mich zu entspannen.

In der Mittagspause ging ich ein Stück spazieren; Gruppensituationen strengen mich immer sehr an und ich war froh, ein wenig „alone time“ zu haben und mir die Beine zu vertreten.

Nach einer Stunde ging es weiter und wer wollte, durfte seine Geschichte vorlesen. Feedback gab es, wenn es vom Teilnehmer gewünscht war. Einige waren mutig und lasen ihr Geschreibsel vor. Ich war beeindruckt. Mir gefiel alles sehr gut, auch wenn es unterschiedliche Schreibstile waren. Jede Story hatte etwas mitreißendes und fesselndes. Die Ideen der Anderen zu hören war auch für mich sehr inspirierend und ich nahm mir vor, mich zu Hause noch einmal an eine Geschichte zu setzen.

Die Zeit verging wie im Flug und schon war der erste Tag vorbei. Ich verabschiedete mich glücklich von allen und machte mich auf den Heimweg.

Nun kann ich es kaum abwarten, bis der nächste Kurstermin ansteht! Hoffentlich wird auch dieser wieder schön!