Viele Missbrauchsopfer trauen sich nicht, über das Erlebte zu sprechen aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird. Viele stellen sich die Frage, ob sie vielleicht selbst schuld sind oder ob die Situation, in der sie sich befanden, wirklich Missbrauch war.

Im Folgenden zwei Fallbeispiele:

Situation 1:

Grundschülerin Anna* spielt wie fast jeden Tag auf dem Spielplatz ihres Dorfes. Ein älterer Junge spießt ein Stuck Hundekot auf einem Stock auf und zwingt Anna* sich in einen Graben zu legen, damit er sich auf sie legen kann. Wenn sie es nicht täte, würde er ihr die Kacke ins Gesicht schmieren. Anna* tut was er verlangt, aus Angst und Ekel.

Situation 2:

Die 15-jährige Linda* putzt auf einem Reiterhof die Pferde. Sie trägt ein Moorhuhn T-shirt, weil sie das Spiel gerne spielt. Der Hofbesitzer umarmt Linda* von hinten, fasst ihr an die Brüste und flüstert ihr zu: „Na, du hast ja schöne Moorhühner.“ Linda* ist angeekelt und eingeschüchtert, traut sich aber nicht, es jemandem zu erzählen.

Ist das, was Anna* und Linda* passiert ist, Missbrauch? Anna* redet sich ein, es war einfach kindlicher Unfug, Linda* versucht das Geschehene zu vergessen, dem Hofbesitzer aus dem Weg zu gehen und ist froh, als sie den Reiterhof wechseln kann.

Beide Mädchen erzählen niemandem von dem Erlebten, denken, es war ihre Schuld und dass es übertrieben wäre, die Situationen als „Missbrauch“ zu bezeichnen.

Immer wieder stellt sich die Frage: Wo beginnt Missbrauch? Warum fühlen sich Opfer immer so schuldig und schämen sich für Dinge, für die sie nichts können? Warum ist es immer noch so schwer, sich jemandem anzuvertrauen und ernst genommen zu werden?

Das Opfer kann nichts dafür.

Vertraut euch jemandem (Eltern, Lehrer, Verwandte, Freunde, Seelsorge, Polizei, etc.) an, wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid wie Anna* oder Linda* und lasst euch nicht von dem Täter einschüchtern!

 


*Namen geändert